Smart Mirror: Ein Interface für ein intelligenteres Zuhause?

Das wunderbare an einem Forschungsprojekt ist, sich neue Dinge beibringen zu können. Wir müssen Wege nicht nur schnurstracks geradeaus gehen, sondern wir dürfen auch mal innehalten, abbiegen und einen Schritt zurückgehen. Fehler sind nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht! Nur so lernen wir. Eine tolle Vorstellung!

Zum Prototyping-Prozess für das Interface der Energie innerhalb des Projekts enera gehört für uns also vor allem eins: Ausprobieren. In diesem Zusammenhang haben wir in den letzten Monaten neben unserer App Pulse einen zweiten Weg eingeschlagen. Wir haben über den Tellerrand geschaut und uns von konventionellen Benutzeroberflächen entfernt – entstanden ist der eigenständige Entwurf eines Smart Mirrors, welcher uns definitiv vor neue Herausforderungen gestellt hat.

Smart Mirror – ein alter Hut?

Smarte Spiegel sind eine großartige Möglichkeit, Informationen unauffällig und nahtlos anzuzeigen. Es gibt bereits viele intelligente Projekte, die einem das Wetter, die Uhrzeit oder Kalendereinträge anzeigen können. Eine der ersten Veröffentlichungen in diesem Zusammenhang ist Michael Teeuw zuzuschreiben. Sein „Magic Mirror“ steht heute kostenlos bei GitHub zur Verfügung und ist die Basis der meisten weiteren Konzepte, die sich im Netz finden lassen. Da sein Layout jedoch teuer, aufwendig und kompliziert in der Ausführung ist, brauchte es Innovationskräfte, um die Idee voranzutreiben und besser zu machen. Max Braun, Ingenieur bei Google, präsentierte einen Lösungsansatz, der wesentlich günstiger ist und außerdem aufgeräumter und dadurch repräsentabel wirkt.

Technische Realisierung

Das Prinzip bei einem Smart Mirror ist jedoch bis heute das gleiche geblieben. Ein Bildschirm wird hinter einem sogenannten Spionspiegel platziert. Dieser halbdurchlässige Spiegel reflektiert große Mengen an Licht, lässt aber auch einen gewissen Anteil dessen hindurchscheinen. Visualisiert man nun helle Elemente auf dem Display, so erscheinen diese sichtbar auf der Oberfläche des Spiegels. Als treibende Kraft für den Bildschirm dient hierbei in der Regel ein Raspberry Pi – ein Einplatinencomputer dessen Grundfläche in etwa der Größe einer Kreditkarte entspricht. Dieser ist zudem in den meisten Fällen mit Software ausgestattet, die Entwickler kostenfrei zur Verfügung stellen, um sich eine Benutzeroberfläche modular zusammenzustellen. Die einzelnen Features, die auf dem Spiegel angezeigt werden, stammen aus verschiedensten Quellen. Datum, Uhrzeit und die Zimmertemperatur beispielsweise liefert der Pi selbst.

Weitere Schnittstellen stammen aus dem Netz und können dynamisch eingebunden werden. Hierbei handelt es sich oftmals um standardisierte Informationen, welche die Grundbedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer abdecken. Spezifische, individuelle Use Cases lassen sich mit diesem Prinzip ohne explizites Know-How nicht ohne Weiteres abbilden, da entsprechende Schnittstellen eigenständig implementiert werden müssen.

Unsere Neuinterpretation

Unsere Motivation war es folglich, ein Konzept auf die Beine zu stellen, das mehr kann, als klassische Dienste in ihrer ursprünglichen, größtenteils von unseren Smartphones bekannten Form. Eine smarte Verbindung von Inhalten, getrieben in einem bisher eher unerforschten Interessenbereich für Nutzerinnen und Nutzer, die unserer ausgesprochenen Überzeugung entspricht: einfach mal ausprobieren!

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Die private Energieverwaltung im Haushalt und dessen Komplexität erhalten unserer Meinung nach bisher zu wenig Aufmerksamkeit beim Verbraucher – aus dem einfachen Grund mangelnder Informationsaufbereitung. Doch in unseren Augen sind die Inhalte, die aus Datenströmen zu generieren sind, sowohl interessant für die einzelnen User, als auch für die gesamte Energiewirtschaft. Konsumenten könnten über Analyse-Features Kosteneinsparungen erzielen und mit effizientem Nutzerverhalten die Stromnetze unserer Republik nachhaltig stärken und entscheidend regulieren.

Warum ein Spiegel in diesem Nutzungskontext als Interface genutzt werden sollte? Er ist die perfekte Metapher – ein Bindeglied als Bestandteil eines Wohnraums, welcher Daten im Überfluss produziert, angeleitet von seinem Bewohner selbst. Der schlaue Spiegel offenbart als Benutzeroberfläche also buchstäblich das Spiegelbild des persönlichen Haushalts. Diese Funktion bedient er in unserem Design diskret und unaufdringlich, da er einen Gegenstand abbildet, der die verantwortliche Technik optisch verschwinden lässt und sich nahtlos in das Zuhause einfügt. Für dieses Ziel dient ein durchdachter Entwurf mit einer rahmenlosen Integration von Spiegel und Displaypanel sowie einer Ablageborte mit induktiver Lademöglichkeit für elektrische Geräte. Alles erscheint nahtlos, einzig für die Stromversorgung bedarf es ein Kabel. Die Berührungspunkte zwischen Gestaltung von Hard- und Software waren für uns eine spannende und abwechslungsreiche Herausforderung, da wir uns normalerweise fast ausschließlich mit Design und Programmierung beschäftigen – weniger aber mit Industrie- bzw. Möbeldesign. Dennoch haben wir ein Ergebnis geschaffen, das sich sehen lassen kann.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Unser Smart Mirror ist der Versuch, ein vollkommenes Produkt auf dem Markt des Internet of Things zu platzieren. Dieser Schritt umfasst, wie wir im Laufe der Entwicklung feststellen konnten, unglaublich viele Parameter, die es zu beachten gilt. Viele Bereiche waren für uns Neuland: die Gestaltung der Hardware oder die Bedienung der neuartigen Benutzeroberfläche beispielsweise. Aufgrund dessen sind wir heute zwar noch nicht an unserem auserkorenen Ziel angelangt, doch haben wir unglaublich viele Learnings aus der bisherigen Projektzeit ziehen können und uns stetig weiterentwickelt. Und genau daran werden wir weiter ansetzen – wir wollen herausfinden, ob ein Spiegel in der Lage ist, die Antwort auf unsere Interface der Energie Fragen zu geben.