Pulse: Ein erster Prototyp auf dem Weg zum Interface der Energie - Teil II

Im zweiten Teil unserer Blog-Serie zum Interface der Energie Prototyp, der Pulse App, möchten wir über das Design sprechen. Die App haben wir im Rahmen des enera Forschungsprojekts gemeinsam mit unserem Kooperationspartner SAP Hybris Labs entwickelt. Der Fokus bei der Entwicklung der mobilen Anwendung entlang des Human Centered Design Prozesses lag auf einer hohen Usability und User Experience. 

Wir glauben, die besten User Interfaces verstehen es, zwei Bereiche in ihrer Gestaltung zu priorisieren: einfache Handhabung und gestalterische Details. Die intuitive Bedienung einer digitalen Anwendung ist in ihrer Konsequenz für Nutzer eine Grundvorraussetzung. Das steht außer Frage. Details hingegen sollen auffallen – sie halten Nutzer fest, begeistern sie für die Auseinandersetzung mit einer Applikation. Deswegen heben gestalterische Details, neben innovativen Funktionen und neuartigen Interaktionsmöglichkeiten, unsere App Pulse von der Konkurrenz ab.

 

Das Design

Egal ob wir eine App für Kunden, ein Forschungsprojekt oder uns selbst entwickeln, im Mittelpunkt aller Fragen steht immer der Mensch, der die App am Ende benutzen soll. Folgende Fragen stellen wir uns also immer: Wie schaffen wir es, einen hohe Gebrauchstauglichkeit sowie ein herausragendes Nutzererlebnis zu schaffen? 

Wenn User mit Apps interagieren, haben sie ein bestimmtes Ziel. Je weniger Aufwand sie für das Erreichen dieses Ziels aufwenden müssen, je kürzer also der Weg, desto besser ist die User Experience. Die Herausforderung bei der prototypischen iOS App Pulse: Die Informations- und Datendichte ist verhältnismäßig hoch. Zudem sind die thematischen Inhalte für viele Nutzer neu und nicht immer leicht verständlich. Um Verständnisschwierigkeiten beim User von vornherein zu vermeiden, ist es daher wichtig, nicht alle Inhalte und Informationen auf einmal zu zeigen. Dies würde den Anwender überfordern oder was noch schlimmer wäre: verschrecken und vom Benutzen der App abhalten. Eine progressive Offenlegung von Inhalten, ein langsames Heranführen also, war der Leitgedanke unseres Designteams bei der Entwicklung des Pulse-Designs. So haben wir die Möglichkeit, die kognitive Belastung beim Nutzer zu reduzieren und das Verständnis für spezifische Aussagen zu verbessern.

Grundsätzlich minimiert Pulse aus diesem Grund das Potential der Informationsüberflutung. Die Contend-Centered Experience in der Anwendung konzentriert sich auf das Entfernen von visuellem Durcheinander. Wir haben irrelevante Informationen (Rauschen) explizit gefiltert und entfernt sowie relevante Informationen (Signale) definiert. Auf dieser Basis konnten wir im Anschluss eine klare visuelle Designsprache entwickeln.

Im Grundlayout zeichnet sich die App durch eine minimalistische Formgebung aus. Die Farbgestaltung ist monochrome, wobei die verwendeten Primärfarben Weiß und Schwarz durch Blau und Grün als Auszeichnungsfarben ergänzt werden. Unterstützt wird das Layout durch die Verwendung der Roboto, einer auf Displays gut lesbaren Groteskschrift aus der Google Font Familie.

Farbe wird in unserem Konzept also nicht nur für Ästhetik verwendet, sondern ist Teil der funktionalen Erfahrung. Wir haben uns dazu entschieden, farbliche Elemente im User Interface nur zu verwenden, um verschiedene Benachrichtigungen visuell voneinander zu trennen. Nutzer steigen zunächst mit einer monochromen Ansicht in das Erlebnis Pulse ein. Erst durch Eintreten eines sogenannten Events erhält die Anwendung farbliche Elemente in Form von Benachrichtigungen. Die Farbe Grün steht dabei für Strom-Events, blaue Benachrichtigungen informieren über CPU-Events. Die Farbgebung ist damit eindeutig reduziert und vor allem priorisiert. Nutzer haben einen klaren Überblick und können unverkennbar zwischen den Informationen unterscheiden.

Bewegungsdesign spielt in der Anwendung eine übergeordnete Rolle, da es als Mittel zur Visualisierung der „Herzschlagmetapher“ eingesetzt wird. Der „Puls des Hauses“ ist in unserer Anwendung nicht ausschließlich anhand transparenter Datenströme ableitbar. Auch visuell soll die Anwendung eine emotionalisierte Verbindung zu der Metapher schaffen. Damit distanzieren wir uns ganz klar von klassischen Anwendungen aus dem Bereich der persönlichen Energieverwaltung. Einen Trend, den wir immer wieder erkennen: Visualisierung von Daten in Diagrammen und Tabellen. Und zwar in reizüberflutendem Ausmaß. In unseren Augen schaffen diese Darstellungen keinen ästhetischen Reiz. Vielmehr überfordern sie die Nutzer. Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht, eine visuelle Verbindung aus verschiedenen Daten und deren Quelle zu gestalten.

 

In der Startanimation der Pulse App verwandelt sich das eigene Haus in eine Kurve, die diese auf reduzierte Art und Weise sichtbar macht. Die Gestaltung soll Nutzer neugierig machen, ihr Haus und die damit verbundenen Daten- und Informationsströme zu erkunden und es – im übertragenen Sinne – besser kennenzulernen. Dies soll zudem nicht nur für ein Familienmitglied gelten, sondern für so viele wie möglich innerhalb eines Haushaltes. Denn unser Ziel ist klar: Dank der Banalisierung komplizierter Inhalte sollen alle Bewohner eines Hauses in die Interaktion der App einbezogen werden.

Animationen werden sparsam, aber gezielt weiterführend verwendet. Sie sollen verdeutlichen, welche Interaktionen für den User verfügbar sind (animierte Hinweise), um beispielsweise räumliche Beziehungen zwischen User Interface Elementen zu verdeutlichen (animierte Übergänge) oder um Feedback zu Interaktionen zu geben. Auf verspielte Effekthascherei verzichten wir bewusst und bleiben so unserem Motto "Weniger ist mehr" treu. 

 

Das Fazit

Pulse ist für uns ein gelungener, erster Prototyp für das Interface der Energie. Er nimmt die Menschen aus der enera Modellregion auf eine transparente und emotionale Weise mit in die Welt der persönlichen Energieverwaltung; klärt sie auf zu Themen, die eng mit der Energiewende in Verbindung stehen. Er schafft die Möglichkeit des eigenmächtigen Handelns und lässt Verbrauchern Freiräume in der Nutzung der Anwendung. Des Weiteren orientieren wir uns mit unserer Gestaltung klar an modernsten UX- und UI-Trends und schaffen ein aufregendes Nutzererlebnis, das trotz komplizierter Inhalte verständlich und intuitiv ist. In den kommenden Monaten werden wir die Idee gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern weiter konkretisieren. Es bleibt spannend!