Wie können wir die Menschen vor Ort unterstützen?

Eine Zukunft entwickeln, in der Technologie den Menschen optimal unterstützt und den Alltag erleichtert. Technologie gestalten, die nahtlos mit dem Alltag verschwimmt und Spaß macht. Um das erreichen zu können, müssen wir die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer ermitteln. Wobei brauchen sie Unterstützung? Wie und in welchen Umgebungen und Situationen kann Technologie ihnen helfen? 

Die Antworten darauf finden wir direkt vor Ort, bei den Menschen selbst. Unsere Ermittlungen führen uns daher in die Modellregion von enera. In den Landkreisen Wittmund, Aurich und Friesland suchen wir im Frühjahr das Gespräch mit ganz unterschiedlichen Menschen aus u.a. Wirtschaft, Verwaltung, Handwerk, Landwirtschaft, und auch im Ruhestand. Neben reinen Energie-Konsumenten sind darunter auch Verbraucher, die bereits selbst Energie produzieren. Im Schnitt 45 Jahre alt, erreichen wir Menschen zwischen 22 und 66 Jahren aus Ein- bis Fünf-Personen-Haushalten. Um realistische Eindrücke der Umgebungsbedingungen zu erhalten, treffen wir die Interviewteilnehmer, wenn möglich, bei ihnen zuhause. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die weitläufige, von Weiden, Ackerflächen, Windkraftanlagen und salzigen Nordseewinden charakterisierte Landschaft.

Vor Ort sprechen wir über die Charakteristik des Haushalts bzw. Betriebs, Gebäudezustand, Energieverbräuche, Mobilität und Einstellungen zu Energiewende-Themen. Außerdem geht es um Digitalisierung, digitale Anwendungen rund ums Haus, Datensicherheit, das Thema Energie allgemein und Erwartungen an die digitale Zukunft. Die umfangreichen Interviews helfen uns, die Bedürfnisse und Ängste der Menschen vor Ort zu verstehen und uns realistisch in ihren Alltag hineinzuversetzen. Damit dienen sie als Basis für die Entwicklung neuer technischer Lösungen, die den Menschen als Nutzer in den Mittelpunkt stellen: als Basis für ein Interface der Energie.


Die Menschen vor Ort greifbar machen

Unser Ziel war es, die Menschen, die wir interviewt haben, noch lange nach den persönlichen Gesprächen nachfühlbar und erlebbar zu machen, um langfristig mit ihnen weiterarbeiten zu können. Nicht nur für uns, sondern für das gesamte Projektteam. Wir suchten nach einer schnell und leicht erfassbaren Darstellung und entschieden uns, die einzelnen Interviews auf großformatigen Profil-Postern zu dokumentieren. Nach Themen strukturiert fassten wir dort die Inhalte zusammen und reicherten diese mit Zeichnungen an. Mit der Idee im Hinterkopf, diese Poster auf Aufstellern anzubringen um den gestaltlichen Charakter der Person zu verdeutlichen, wird eine interviewte Person nun durch ein hochkantiges, beidseitiges Profil-Poster repräsentiert (siehe Galerie). Diese Profile ermöglichen es, mit Individuen der Zielgruppe zu arbeiten.

Da es jedoch nicht zielführend ist, für jedes Individuum eine spezielle Lösung zu entwickeln, haben wir anschließend typische Nutzergruppen innerhalb der Zielgruppe identifiziert. Dazu haben wir die Profile zu Personas verdichtet. Eine Persona ist ein konkreter, fiktiver Repräsentant eines Nutzers aus einer bestimmten Zielgruppe. Sie vereint bestimmte Bedürfnisse und Charakteristika der Zielgruppe in einer konkreten Person und ermöglicht uns so, für diese zielgerechte Lösungen zu entwickeln. In der Galerie sehen wir beispielsweise die Persona Lars, eine aufgeschlossene und technisch interessierte, sozial gut vernetzte Persönlichkeit mittleren Alters aus der Modellregion.

Jede Persona agiert in bestimmten Umgebungen und Situationen, die für sie typisch sind. Ausgehend von den Profilen und Personas haben wir typische Szenarien beschrieben, die helfen, sich in den Alltag der Personas hineinzuversetzen. Dadurch können wir Lösungen gestalten, die sich gut in die realen Umgebungen der Mensch vor Ort integrieren. Ausgehend von der Profilarbeit und den Personas kristallisieren sich bestimmte Bedürfnisse heraus. Über alle Profile hinweg identifizierten wir Komfort, Sozialer Austausch und Mobilität, sowie Transparenz und von Neuem zu profitieren als häufigste Bedürfnisse. Aber auch Geld zu sparen und aktuell informiert zu sein, sowie Sicherheit, Kontrolle und Zeit sparen sind sehr präsent. Weitere, seltenere Bedürfnisse waren u.a. Spaß und Nachhaltigkeit. Bestimmte Personas charakterisieren sich dadurch, dass bestimmte Bedürfnisse für sie einen besonders hohen Stellenwert haben. So sind bei der Persona Lars neben bspw. Komfort, sozialem Austausch und Transparenz auch von Neuem zu profitieren, Geld sparen und Nachhaltigkeit besonders ausgeprägt.


Gestaltungslösungen entwickeln

Mit dieser intensiven Vorarbeit sind wir Ende des Jahres in die Gestaltungsphase eingestiegen. Ziel dieser Phase ist es, auf Basis der erhobenen Anforderungen Gestaltungslösungen für ein Interface der Energie zu entwickeln. Wie in allen anderen Phasen auch, steht hier die Zusammenarbeit mit potentiellen Nutzern, also der Zielgruppe im Vordergrund. Denn nur, wenn wir die Menschen immer wieder mit einbeziehen, werden wir Lösungen entwickeln können, die von Anfang an einen Mehrwert bieten und begeistern. 

Wir möchten über den Tellerrand schauen. In interdisziplinären Teams erarbeiten wir kreative Konzepte. Dafür gehen wir auch gerne unkonventionelle Wege, indem wir z.B. Prototyping-Workshops in ein Wohnhaus in der Modellregion verlegen. Inmitten dieser realen Umgebung fällt es leicht, sich in die Zielgruppe hineinzuversetzen und der weite Blick aus dem Wohnzimmerfenster sorgt als Kreativanreger. Frühes Feedback zu unseren Ideen erhalten wir von Probanden aus der Umgebung, die sich in lockerer Atmosphäre vor Ort einen Eindruck verschaffen. Eine Win-Win-Situation: Wir sind dankbar für hilfreiches Feedback, das unsere Arbeit in großen Schritten voranbringt und die Probanden sind glücklich, dass sie sich aktiv einbringen können. So gehen intensive Workshoptage zu Ende, bei denen alle Teilnehmer noch lange hoch motiviert und inspiriert weiterdiskutieren. Weitere werden folgen!

 

„Wir suchen Antworten und Inspirationen bei den Menschen vor Ort.“

– Jutta Fortmann, Senior User Experience Engineer

 
 
 

Impressionen aus der Modellregion und unserer Arbeit